„Anna, ich hab Angst um Dich“
Film und Gespräch mit Josef Pröll
180 Schülerinnen und Schüler nahmen am 07. Oktober an einer besonderen Veranstaltung teil.

Der Filmemacher Josef Pröll gastierte zum zweiten Mal im Forum der KGS mit seinem Film über seine Mutter Anna.
Anna Pröll war im Widerstand gegen den Nationalsozialismus und wurde dafür ab 1934 viereinhalb Jahre eingesperrt, davon 18 Monate Einzelhaft in Aichach und danach im Frauen-KZ Moringen. Sie war zum Zeitpunkt der Inhaftierung 17 Jahre alt.
Schon 1933 waren ihre Eltern verhaftet worden.
Sie heiratete Josef Pröll. Da beide schon einige Jahre KZ-Haft hinter sich hatten, war die Hochzeit von der Polizei verboten worden. Josef Pröll war 1933 erstmals verhaftet worden und verbrachte bis Kriegsende mehr als acht Jahre in verschiedenen Konzentrationslagern, darunter KZ Dachau, KZ Buchenwald und KZ Natzweiler. Seine beiden Brüder Fritz Pröll und Alois Pröll wurden in den Konzentrationslagern Dachau und Dora ermordet, wie auch Annas Vater.
Nach dem Krieg engagiert Anna Pröll sich weiter, u.a. für den Frieden, und war in den 90er Jahren häufig als Zeitzeugin Gast in Schulen.

Auch in der Gedenkstätte Moringen war sie aktiv. Bei einer Gedenkstunde am Gräberfeld des Moringer Friedhofs sagte sie 1999: „Verbunden mit dem Wunsche an die Jugend in Moringen: Pflegt ihr diese Gräber, macht das zu euerer Verpflichtung. Erinnert euch ihrer, damit euch nicht gleiches passiert, damit ihr Lachen könnt, damit ihr lieben könnt ohne Angst vor dem Mitmenschen, ohne Angst vor der Zukunft.“
2002 erhielt Anna Pröll das Bundesverdienstkreuz und wurde Ehrenbürgerin ihrer Geburtsstadt Augsburg.
Josef Pröll, der am Vortag in Einbeck seinen Film gezeigt hatte, war mehr als 25 Jahre im Präsidium der Lagergemeinschaft Dachau aktiv und wirkt mit seinem Film als Zeitzeuge der zweiten Generation.
Er wuchs in einer Familie auf, die nach dem Krieg immer als „KZler“ diffamiert wurden. Während die Heimkehrer aus der Kriegsgefangenschaft mit offenen Armen in der Heimat empfangen wurden, kämpften die ehemaligen Häftlinge der Konzentrationslager mit Vorurteilen und Ressentiments durch alle Gesellschaftsschichten. Stigmatisiert durch die Gefangenschaft fiel es ihnen nicht nur schwer, wieder Fuß zu fassen, auch die weiteren Generationen erleben die Nachwirkungen und sind geprägt durch eine Familiengeschichte der Verfolgung. Der Verlust zwei seiner Onkel und seines Großvaters, sowie die lange KZ-Haft seiner Eltern prägten sein Leben. Von dieser Zeit und seinen Erlebnissen berichtete er den Schülerinnen und Schülern sehr authentisch, die gebannt dem fast einstündigen Nachgespräch folgten. Zum Abschluss forderte er die Zuhörer auf, dass sie genau hinsehen und hinhören sollten, um sich eine eigene Meinung bilden zu können, und dass sie den Politiker*innen mehr auf die Hände schauen sollen.
Für seinen Film „Heimat Auschwitz“ interviewte er 2022 in Moringen die Schüler:innen, die in dem Jahr in Auschwitz waren.


