Stolpersteine für Moringen

Am 2.10.2026 wurden in Moringen die ersten Stolpersteine verlegt. Ein Stolperstein ist ein Gedenkstein, der wie ein Pflasterstein vor dem Haus in den Bürgersteig eingelassen wird, in dem Jüdinnen und Juden oder andere Opfer des Nationalsozialismus ihren letzten frei gewählten Wohnsitz hatten.

Initiiert wurde die Verlegung von Schülerinnen der KGS Moringen, die auch die Verlegung durch Textbeiträge und Musik mitgestalteten.

In Moringen lebten 1933 noch 21 Juden, von denen einige das Ende des NS-Regimes nicht erlebten.

Mit der Deportation der Familie Rothschild im März 1942 endete die mehr als 350jährige Geschichte der Juden in Moringen.

Sarah, Willi, Hildegard und der 11jährige Herbert wurden in das Warschauer Ghetto deportiert, wo sie wahrscheinlich an Hunger oder Krankheiten starben. Oder sie wurden im Juli 1942 durch Giftgas in Treblinka ermordet.

Hätte Herbert Rothschild heute gelebt, wäre er in einer 6. Klasse der KGS. Damals durfte er nicht die Moringer Schule besuchen.

Für sie wurden Stolpersteine vor ihrem Haus in der Neuen Straße verlegt.

Klara und Hermann Meyerstein zogen bereits 1939 in ein Altersheim in Ahlem, nachdem ihnen das Leben mit den Ausschreitungen am 9.11.1938 unerträglich wurde.

Ermöglicht wurde die Verlegung durch einen einstimmigen Beschluss des Moringer Stadtrates

Die Moringer Bürgermeisterin Heike Müller-Otte sagte in ihrer Rede:

„Diese Menschen sind Teil unserer Stadtgeschichte. Und wir übernehmen als Stadt Verantwortung dafür, dass diese Geschichte sichtbar bleibt. (…) Heute verlegen wir Steine. Aber eigentlich schaffen wir Erinnerung. (…) Wir können nicht für das verantwortlich sein, was Menschen vor unserer Zeit getan haben. Aber wir sind verantwortlich dafür, wie wir heute mit dieser Geschichte umgehen. Und wir sind verantwortlich dafür, welche Stadt wir unseren Kindern und Enkeln hinterlassen Deshalb reicht es nicht zu sagen: So etwas darf nie wieder passieren. Wir müssen auch fragen: Was tun wir, wenn Menschen heute ausgegrenzt werden?“

Die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Jacqueline Jürgenliemk musste krankheitsbedingt absagen. Sie betonte in ihrem Grußwort, das von einer Schülerin verlesen wurde, wie viel ihr die Erinnerung durch Stolpersteine bedeutet und forderte alle auf, sich gegen Geschichtsklitterung, Faschismus, gegen Antisemitismus und Antisemitismus einzusetzen.

Es zeigt, wie wichtig das Erinnern an die Verbrechen des Nationalsozialismus ist.

Weitere Stolpersteine müssen gesetzt werden. Das bedeutet Recherche der Familiengeschichten. Aber auch der jüdische Friedhof in Moringen braucht Pflege.

Vielleicht finden sich Gruppen oder Klassen von Schülerinnen und Schülern der KGS, die hier weiterarbeiten.